
Cyber Snapshot-Bericht
Google Cloud Security

Inhalt
Der Bericht „Defender's Advantage Cyber Snapshot“ enthält praxisorientierte Einblicke in wichtige und neue Themen der Cybersecurity. Diese stammen aus direkten Beobachtungen und praktischen Erfahrungen von Mandiant-Teams, die Cyberangriffe abwehren und analysieren.

Mit der Zunahme der generativen KI (künstliche Intelligenz) im letzten Jahr rückten auch die vielseitig einsetzbaren Large Language Models (LLMs) in den Fokus der Öffentlichkeit. Unternehmen versuchen nun, die Möglichkeiten von LLMs zu nutzen, um ihren Kundenservice, die Aufgabenoptimierung, die Erstellung von Inhalten und die Gesamtproduktivität zu verbessern.
Mit dem rasanten Wachstum KI-gestützter Anwendungen wie LLMs steigt auch das Risiko damit verbundener Sicherheitslücken. Unternehmen wollen als Erste auf dem Markt sein, aber leider wird die Sicherheit dabei oft vernachlässigt.
Wie bei jeder neuen Anwendung sollten jedoch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen bewertet werden. Es gibt zwar Ähnlichkeiten zu herkömmlichen Ansätzen zur Anwendungsbewertung, aber auch feine Unterschiede, die bei der Entwicklung, Erstellung und Bewertung KI-gestützter Anwendungen berücksichtigt werden sollten.
Die Faszination von LLMs
LLMs sind große neuronale Netzwerke, die mit umfangreichen Datasets trainiert werden. Je nach Art des Datasets, mit dem das LLM trainiert wird, kann es für eine Vielzahl von Aufgaben eingesetzt werden, darunter Textgenerierung, Übersetzung und Zusammenfassung sowie die Beantwortung allgemeiner Fragen.
Die meisten Unternehmen stellen LLMs webbasiert bereit. So können Kundinnen und Kunden und Nutzerinnen und Nutzer in einem vertrauten Format (über eine Webanwendung) mit dem LLM interagieren. Auch Entwicklerinnen und Entwickler haben die Möglichkeit, das LLM auf klar definierte Weise über bereitgestellte Web-APIs zu nutzen.
LLMs können routinemäßig Sprache für allgemeine Zwecke generieren und die Fähigkeit nachahmen, Nutzerinnen und Nutzer und ihre individuellen Anfragen zu „verstehen“. Dadurch eignen sich webbasierte LLMs besonders gut zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit, zum Beispiel in Chatbots, Suchmaschinen und virtuellen Assistenten.
Die Eigenschaften von LLMs
Webbasierte LLMs für allgemeine Zwecke zeichnen sich durch vier Merkmale aus, die sie so attraktiv machen.
1. Der Prompt: Eine Abfrage, die die Endnutzerin oder der Endnutzer über das Frontend der Anwendung eingibt. Sie legt den Kontext der Interaktion zwischen LLM und Nutzer*in fest und steuert die Art der Unterhaltung. Je spezifischer der Prompt, desto besser kann das LLM sein Dataset nutzen, um die Frage der oder des Nutzenden zu beantworten.
2. Die bereitgestellten APIs: LLMs stellen eine API-Schnittstelle speziell für die Nutzung durch die Endanwendung bereit. Über die APIs können herkömmliche Webanwendungen die Möglichkeiten des LLM nutzen.
3. Die Daten: Die Daten liefern dem Modell die Informationen, die es benötigt, um die Nutzeranfrage zu beantworten. Qualität ist wichtig, denn je mehr und je genauere Daten vorliegen, desto besser kann das LLM die Nutzeranfrage verarbeiten und eine Antwort formulieren, die sowohl hilfreich als auch für den*die Nutzer*in zutreffend ist.
4. Die Trainingsdaten: Dies sind die Daten, mit denen das Modell ursprünglich trainiert wurde, um es für seinen eigentlichen Zweck geeignet zu machen. Auch hier gilt: Qualität ist entscheidend.
Die zehn häufigsten Sicherheitslücken in LLMs
Webanwendungen werden ständig weiterentwickelt und sind heute allgegenwärtig. Leider hat sich auch die Anzahl und Art ihrer Sicherheitslücken erhöht. Das Open Web Application Security Project (OWASP) erfasst die Anzahl und Art der öffentlich gemeldeten Sicherheitslücken in Webanwendungen und veröffentlicht alle paar Jahre eine Top-10-Liste der häufigsten Sicherheitslücken.
Dies ist die Top-10-Liste des OWASP für LLM-spezifische Anwendungen:
LLM01: Prompt Injection | LLM06: Offenlegung vertraulicher Daten |
LLM02: Unsichere Ausgabeverarbeitung | LLM07: Unsicheres Plug-in-Design |
LLM03: Verunreinigung von Trainingsdaten | LLM08: Übermäßige Eigenständigkeit |
LLM04: Denial-of-Service-Angriffe auf Modelle | LLM09: Blindes Vertrauen |
LLM05: Sicherheitslücken in der Lieferkette | LLM10: Modelldiebstahl |
Erfahrenen Fachleuten im Bereich Anwendungssicherheit sollten viele dieser Sicherheitslücken vertraut sein. Unsichere Ausgabeverarbeitung, Denial-of-Service-Angriffe auf Modelle, Sicherheitslücken in der Lieferkette, Offenlegung vertraulicher Daten, unsicheres Plug-in-Design und Modelldiebstahl betreffen nicht nur LLMs. Diese Schwachstellen ergeben sich aus der Bereitstellungsarchitektur in bekannten webbasierten Anwendungen und Systemen. Die gute Nachricht ist, dass viele der aktuellen Anwendungsmethoden, die in den letzten 20 Jahren definiert wurden, weiterhin anwendbar sind und die grundlegenden Prinzipien dieser Methoden immer noch gelten.
Fazit
Webbasierte LLMs haben die Art und Weise, wie Nutzende mit herkömmlichen Systemen interagieren, revolutioniert. Gut definierte und strukturierte Abfragen sind nicht mehr erforderlich. Stattdessen können Nutzerinnen oder Nutzer auf natürlichere und dialogorientiertere Weise mit Anwendungen und Systemen interagieren. Die Anwendungsbereiche dieser Technologie werden dank der menschlichen Neugier und des Erfindungsgeistes immer vielfältiger.
Webbasierte LLM-Anwendungen können auf ähnliche Weise bewertet werden wie herkömmliche Webanwendungen. Kontrollen wie Ausgabecodierung, Authentifizierung und Autorisierung, Datenschutz und API-Sicherheit sind durch jahrelange Tests der Anwendungssicherheit auf Herz und Nieren gut definiert.
Sicherheitsfachleute sollten ihre Methoden zur Bewertung der Anwendungssicherheit weiterentwickeln und probabilistische Teststrategien einbeziehen. So können webbasierte LLM-Anwendungen besser bewertet und vor Prompt Injection, übermäßiger Eigenständigkeit und blindem Vertrauen geschützt werden, um einen aktuellen und robusten Sicherheitsansatz zu verfolgen.
Von alt zu hochmodern: Ein Leitfaden zur SIEM-Migration

Im Jahr 2024 sind SIEM-Systeme (Security Information and Event Management) das Rückgrat der meisten Security Operations Center (SOCs). SIEMs wurden schon immer verwendet, um Sicherheitsdaten aus dem gesamten Unternehmen zu erfassen und zu analysieren und damit Bedrohungen zu erkennen, zu untersuchen und abzuwehren. Heutige SIEMs haben jedoch wenig mit denen von vor 15 Jahren gemeinsam. Moderne SIEM-Systeme haben eine cloudnative Architektur und Funktionen wie die Analyse von Nutzerentitäten und ‑verhalten (User Entity and Behavior Analysis, UEBA), Sicherheitsorchestrierung, Automatisierung und Reaktion (Security Orchestration, Automation, and Response, SOAR), Angriffsflächenmanagement und künstliche Intelligenz (KI).
Legacy-SIEMs sind oft langsam, umständlich und schwer zu bedienen. Aufgrund ihrer Architektur ist es häufig kaum möglich, Logquellen mit hohem Volumen aufzunehmen, und sie sind unter Umständen nicht in der Lage, mit aktuellen Bedrohungen Schritt zu halten oder die neuesten Funktionen zu unterstützen. Sie bieten möglicherweise nicht die Flexibilität, die für die spezifischen Anforderungen Ihres Unternehmens erforderlich ist, oder sind nicht für eine Multi-Cloud-Strategie geeignet, die heute in den meisten Unternehmen zum Einsatz kommt. Außerdem kann es sein, dass Sie damit die neuesten technologischen Entwicklungen wie KI nicht nutzen können.
Die Notwendigkeit der SIEM-Migration
In letzter Zeit haben sich im Bereich der SIEM-Lösungen grundlegende Veränderungen ergeben, die nicht unterschätzt werden dürfen. Diese Entwicklungen werden die Migration von Legacy-SIEM-Plattformen zu modernen Plattformen beschleunigen. Viele Unternehmen werden sich dann nicht mehr fragen, ob sie migrieren sollen, sondern wann.
Wichtige Entwicklungen auf dem SIEM-Markt im letzten Jahr:
September 2023:
Mai 2024:
Die Google Cloud Security-Fachleute haben im Laufe von Jahrzehnten Hunderte von SIEM-Migrationen begleitet. Dadurch haben wir Einblicke in die Best Practices, die von Unternehmen jeder Größe angewendet werden können. Sehen wir uns also die wichtigsten Tipps für eine SIEM-Migration im Jahr 2024 an.
Auswahl einer neuen SIEM-Lösung
Beim Evaluieren einer neuen SIEM-Lösung sollten Sie sich und Ihrem Sicherheitsteam die folgenden Fragen stellen, um die Stärken und Schwächen der einzelnen SIEM-Varianten festzustellen und zu prüfen, ob sie die Anforderungen Ihres Unternehmens erfüllen:
1. Cloudnatives SIEM
Stammt das SIEM-System von einem primären Cloud-Dienstanbieter, der eine weltweite Infrastruktur zu Großhandelspreisen bereitstellen kann?
Unserer Erfahrung nach bereitet SIEM-Anbietern, die in Clouds arbeiten, die ihnen nicht gehören, das unvermeidliche Addieren der Margen Schwierigkeiten, das mit solchen Modellen einhergeht. Bei einem cloudnativen SIEM-Bereitstellungsmodell kann die SIEM-Lösung abhängig von neuen Bedrohungen skaliert werden, um die Cloud-Arbeitslasten eines Unternehmens dynamisch zu bewältigen. Cloudnative SIEM-Lösungen sind auch gut geeignet, um Cloud-Arbeitslasten zu schützen, da sie eine Datenaufnahme mit geringer Latenz aus Cloud-Diensten ermöglichen und Erkennungsinhalte bieten, die beim Identifizieren von Angriffen helfen, die in der Cloud häufig vorkommen.
2. SIEM mit Threat Intelligence
Erhält der SIEM-Anbieter kontinuierlich Frontline-Bedrohungsinformationen, um neue und aufkommende Bedrohungen für Ihr Unternehmen erkennen zu können?
Bedrohungsinformationen sind für Unternehmen unerlässlich, um Sicherheitsvorfälle effektiv zu erkennen, zu priorisieren, zu untersuchen und darauf zu reagieren. Insbesondere Frontline-Bedrohungsinformationen sind wertvoll, da sie Echtzeitinformationen über die neuesten Bedrohungen und Sicherheitslücken liefern.
Zur Verbesserung der Bedrohungserkennung und ‑abwehr in Echtzeit streben Sicherheitsteams eine nahtlose Einbindung von Bedrohungsinformationen und zugehörigen Datenfeeds in ihre Sicherheitsabläufe und ‑tools an.
3. SIEM mit ausgewählten Inhalten
Bietet das SIEM eine umfangreiche Bibliothek mit unterstützten Parsern und Erkennungsregeln sowie Reaktionsmaßnahmen?
Einige SIEM-Anbieter verlassen sich fast ausschließlich auf ihre Nutzer-Community oder technische Partner, um Parser für gängige Datenfeeds zu erstellen. Eine aktive Nutzer-Community ist zwar wichtig, aber es ist problematisch, sich zu sehr auf sie zu verlassen, wenn es um grundlegende Funktionen wie das Parsen und Erkennungsregeln geht. Parser für gängige Datenquellen sollten direkt vom SIEM-Anbieter erstellt, verwaltet und unterstützt werden. Dasselbe gilt für Erkennungsregeln. Von der Community erstellte Regeln sind wichtig, aber Ihr Anbieter sollte eine umfassende Bibliothek zentraler Erkennungsfunktionen erstellen und pflegen, die regelmäßig getestet, verbessert und unterstützt werden.
4. SIEM mit KI
Ist KI in das SIEM-System eingebunden? Kann es weiterentwickelt werden?
Die Rolle von künstlicher Intelligenz in SIEM wird bislang von keinem Anbieter vollständig verstanden (geschweige denn implementiert). Führende SIEM-Lösungen bieten jedoch bereits heute konkrete KI-basierte Funktionen. Dazu gehören Natural Language Processing für das Formulieren von Suchanfragen und Regeln, die automatische Zusammenfassung von Fällen und empfohlene Maßnahmen zur Reaktion. Die meisten Kund*innen und Branchenbeobachter*innen halten Funktionen wie die Bedrohungserkennung und die prädiktive Analyse von Angreifern für einige der wichtigsten KI-gestützten SIEM-Funktionen. Allerdings bietet kein aktuelles SIEM-System diese Funktionen zuverlässig. Wenn Sie sich 2024 für eine neue SIEM-Lösung entscheiden, sollten Sie darauf achten, ob der Anbieter die notwendigen Investitionen tätigt, um bei diesen transformativen Funktionen sinnvolle Fortschritte zu erzielen.
Fazit
Die Migration von einem Legacy-SIEM-System zu einer modernen Lösung ist unvermeidbar, um mit der sich ständig weiterentwickelnden Bedrohungslandschaft Schritt zu halten. Auch wenn die Herausforderungen groß erscheinen – eine gut geplante und durchgeführte Migration kann zu erheblichen Verbesserungen beim Erkennen, Untersuchen und Abwehren von Bedrohungen und dem allgemeinen Sicherheitsstatus Ihres Unternehmens führen.
Einen ausführlichen Leitfaden zur SIEM-Migration finden Sie im vollständigen Whitepaper „The great SIEM migration: A guide to ditching dinosaurs“ (Die große SIEM-Migration: Ein Leitfaden für das Ausmustern veralteter Strukturen).
Wenn Sie mehr über die moderne, cloudnative SecOps-Plattform von Google erfahren möchten, besuchen Sie unsere Website.
Zunahme digital nativer Angriffe

Der Trend zum Cloud-Computing und weg von traditionellen lokalen Bereitstellungen hat sich weiter verstärkt. Parallel zu dieser Zunahme von Systemmigrationen in die Cloud hat Mandiant in letzter Zeit auch eine ebenso große Zunahme der Gründung neuer, digital nativer Unternehmen beobachtet.
Digital nativ bezieht sich hier auf die technologischen Kernfunktionen oder die Infrastruktur, die ein Unternehmen nutzt. Mandiant bezeichnet ein Unternehmen als „digital nativ“, wenn es auf einer oder mehreren Cloud-Plattformen gegründet wurde und fast ausschließlich dort tätig ist. Diese Unternehmen beginnen in der Regel mit einer kleinen digitalen Präsenz und erweitern diese durch die Nutzung anderer Cloud- und SaaS-Angebote (Software as a Service), wenn ihre geschäftlichen Anforderungen wachsen.
Bei Unternehmen, die von Anfang an auf digitale Technologien setzen, melden sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Regel beim SSO-Anbieter des Unternehmens an (wie Okta, OneLogin, M365 oder JumpCloud) und interagieren dann mit den Anwendungen und Cloud-Diensten, die sie für ihre Aufgaben benötigen. Meist gibt es keine dedizierten VPN- oder Identitätsverwaltungsplattformen (Active Directory), auf die sie zurückgreifen können.
Trotz dieser Verlagerung hin zu neuen technologischen Infrastrukturen, sowohl digital native Umgebungen als auch Cloud-Computing, haben die Mandiant-Expert*innen keine Abnahme der Angriffe festgestellt. Das könnte darauf hindeuten, dass Angreifende ihre Taktiken, Techniken und Verfahren genauso schnell, wenn nicht sogar schneller anpassen, als Unternehmen ihre Cyberabwehr. Die Vorbereitung auf die zukünftige Bedrohungslandschaft für digital native Unternehmen beginnt damit, nicht mehr davon auszugehen, dass diese Unternehmen standardmäßig sicher sind.
Herausforderungen bei der Sicherheit digital nativer Umgebungen
Die Zunahme digital nativer Umgebungen macht deutlich, dass Sicherheitsteams, insbesondere Red und Blue Teams, die Sicherheitsherausforderungen dieser neuen Ökosysteme kennen müssen, da sie sich von herkömmlichen lokalen Bereitstellungen unterscheiden. Die Frage ist also: Welche besonderen Herausforderungen gibt es und welche Fähigkeiten benötigen Fachleute für Cybersicherheit, um sie zu bewältigen?
Angreifende und Cybersicherheitsteams liefern sich nicht mehr nur ein Wettrüsten um einige wenige wichtige Infrastruktur-Assets wie einen Domaincontroller oder einen Zertifikatsdienst. Stattdessen stellt jede Cloud-Ressource, jede SSO-Anwendung und jede Datenverbindung eine gleich große Bedrohung für ein Unternehmen dar. Wenn eine digital native Architektur auf Technologien wie APIs, IAM, Kubernetes, Docker, serverlosen Funktionen, Mikrodiensten, Cloud-Datenbanken, Speichern, Netzwerken, CI/CD-Pipelines oder anderen Gateways basiert, stellt jede einen potenziellen Angriffspunkt dar. Wie soll ein Unternehmen ohne gründliche Sicherheitstests wissen, dass die Kompromittierung einer SaaS-Anwendung eines Drittanbieters einer bzw. einem Angreifenden uneingeschränkten Zugriff auf die Cloud-Umgebung ermöglichen könnte? Der Grad der Vernetzung in ausgereiften digital nativen Umgebungen verwischt die Grenzen zwischen Drittanbieteranwendungen und den „Kronjuwelen“ eines Unternehmens.
Eine weitere Herausforderung, vor der Sicherheitsteams nur in digital nativen Umgebungen stehen, sind die Protokolle, die für Angriffe verwendet werden. Da solche Umgebungen hauptsächlich aus Anwendungen und Diensten bestehen, die für den Zugriff über einen Webbrowser konzipiert sind, finden viele Angriffe auf Ebene 7 statt. Dort werden Interaktionen mit Unternehmensressourcen durch gängige Endnutzerprotokolle wie HTTP ermöglicht. Daher müssen Sicherheitsexpertinnnen und -experten die Rolle einer Nutzerin oder eines Nutzers in der Umgebung einnehmen und mit Anwendungen und Diensten hauptsächlich über Webbrowser interagieren, anstatt dedizierte Befehlszeilenprogramme zu verwenden. Diese Einschränkung erhöht den manuellen Aufwand erheblich, der erforderlich ist, um in einer neuen, digital nativen Umgebung ein angemessenes Situationsbewusstsein zu erlangen.
Eine Folge dieser Einschränkung ist, dass herkömmliche EDR-Lösungen (Endpoint Detection and Response) deutlich weniger effektiv sind. Wenn sowohl legitime als auch böswillige Nutzende auf dieselbe Weise mit der Umgebung interagieren, erhöht sich der Aufwand für die manuelle Überprüfung durch die Cybersicherheitsteams erheblich, da sie zwischen tatsächlichen Bedrohungen und harmlosen Nutzeranfragen unterscheiden müssen. In dieser Hinsicht ähnelt der Schutz digital nativer Umgebungen dem einer Reihe einzelner Webanwendungen, die durch SSO und Vertrauensbeziehungen zwischen Cloud-Plattformen miteinander verbunden sind.
Da jedes Unternehmen andere Anwendungen und Dienste benötigt, um zu funktionieren, lassen sich die über eine Unternehmensumgebung gewonnenen Erkenntnisse selten auf eine andere übertragen. Diese fehlende Standardisierung erfordert von Sicherheitsteams ein hohes Maß an Kreativität und Einfallsreichtum.
Frontline-Fallstudie
Mandiant nutzt die neuesten Trends bei digital nativen Angriffen, die in der Praxis beobachtet wurden, um die Methodik für Einsätze von Red Teams zu gestalten. Ein Szenario betrifft ein großes, rein digital tätiges Unternehmen. Mandiant und das Unternehmen hatten sich gemeinsam zum Ziel gesetzt, Zugriff auf eine interne administrative Webanwendung zu erhalten, die das Unternehmen als besonders schützenswert einstufte.
Ausspähung
Der Code dieser geschäftskritischen Anwendung wurde vor Kurzem von einem externen Unternehmen geprüft. Für die Authentifizierung wird ein bekannter SSO-Anbieter genutzt. Da es unwahrscheinlich war, dass die Anwendung selbst anfällig für gängige Webangriffe ist, konzentrierte sich das Red Team von Mandiant auf andere SSO-Anwendungen in derselben Umgebung, die möglicherweise mit der geschäftskritischen Anwendung verbunden sind. Zu diesen gehörten Plattformen zur Verwaltung von Zugriffsanfragen, Kubernetes-Manager und Tools für die API-Entwicklung. Mandiant dokumentierte diese Verbindungen sorgfältig und begann, die jeweils verfügbaren Zugriffsebenen zu analysieren.
Rechteausweitung
Im weiteren Verlauf der Bewertung fand Mandiant einen Vektor zur Rechteausweitung, der Administratorzugriff auf eine SaaS-Entwicklungsanwendung ermöglichte, mit der interne Automatisierungstools entwickelt werden. Zu Beginn der Zusammenarbeit wurde diese als geringes Risiko eingestuft, da die Nutzenden innerhalb der Anwendung auf die Rollen und Berechtigungen beschränkt waren, die ihnen über den SSO-Anbieter zugewiesen wurden. Erst einmal gab es keine Anzeichen dafür, dass ein*e Administrator*in dieser Anwendung zusätzlich Zugriff auf oder Berechtigungen für andere SSO-Anwendungen in der Umgebung erhalten könnte.
Mit dem Administratorzugriff auf die SaaS-Entwicklungsanwendung stellte Mandiant fest, dass sich eine große Anzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Anwendung authentifizierte und mindestens eines der darin enthaltenen Tools stündlich ausführte. Deshalb konzentrierte sich das Red Team darauf, diese speziellen Nutzer-Workflows besser zu verstehen und herauszufinden, wie sie kompromittiert werden könnten, um Zugriff auf andere privilegierte Ressourcen innerhalb der Umgebung zu erhalten.
Lateral Movement
Eine weitere Untersuchung der SaaS-Entwicklungsanwendung aus dieser administrativen Perspektive ergab, dass Mandiant die Berechtigung hatte, die Einstellungen zu bearbeiten, um Nutzerinnen und Nutzer mit der geschäftskritischen Anwendung zu verbinden. Mandiant nutzte diese Berechtigungen, um am Ende der SSO-Authentifizierung aller Nutzenden eine zusätzliche Anfrage einzuschleusen, die SSO-Tokens im Klartext an einen von Mandiant kontrollierten Server sendete. Nach dem Speichern dieser neuen Konfiguration erhielt das Red Team von Mandiant Authentifizierungsanfragen legitimer Nutzerinnen und Nutzer der geschäftskritischen Anwendung. Diese Anfragen enthielten Anmeldedaten, die Mandiant nutzen konnte, um sich als der*die jeweilige Nutzer*in auszugeben. Nachdem die Einschleusung eine Nacht gelaufen war, konnte das Red Team SSO-Tokens für eine Nutzerin bzw. einen Nutzer mit Administratorzugriff und sehr umfangreichen Berechtigungen abfangen und erhielt so Zugriff auf die zentrale Anwendung.
Fazit
Unternehmen, die von Anfang an auf digitale Technologien gesetzt haben, und die cloudbasierten Umgebungen, in denen sie agieren, verändern sich ständig. Neue Technologien werden schneller denn je entwickelt, implementiert und wieder eingestellt. Die einzige Gewissheit für diese Unternehmen ist, dass Cyberkriminelle nicht warten werden, bis sie sich in ihrer neuen Umgebung zurechtgefunden haben. Deshalb sind proaktive Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich kontinuierlicher Kontrollen der Cyberabwehr, fortlaufender Einsätze von Red Teams und spezialisierten Fachwissens im Bereich Cloud-Sicherheit, für eine angemessene Cyberabwehr unerlässlich.