Nachhaltigkeit

Fortschritte auf dem Weg zu CO₂-freier Energie rund um die Uhr

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Als wir uns das Ziel setzten, bis 2030 alle unsere Standorte weltweit vollständig auf CO₂-freie Energieversorgung umzustellen, wussten wir, dass wir bessere Tools brauchen würden, um den Energieverbrauch und die Energieerzeugung zu verfolgen. Schließlich können wir nur managen, was wir messen können – doch die bisherigen Ansätze zum Monitoring sauberer Energie sind nicht auf eine stundengenaue Verfolgung des Energieverbrauchs ausgelegt. 

Google und andere Unternehmen, die auf dem Weg zu CO₂-freier Energie rund um die Uhr sind, benötigen Systeme, mit denen Energieverbraucher, Netzbetreiber und Regierungen stundengenau nachverfolgen können, welche Art von Energie in den einzelnen Stromnetzen erzeugt, verbraucht und gehandelt wird. Deshalb testen wir seit dem vergangenen Jahr ein neues Tool, das einen detaillierteren Ansatz zur Energieüberwachung unterstützt: Zeitbasierte Grünstromzertifikate (Time-based Energy Attribute Certificates, T-EACs).

Wenn die Entwicklungen abgeschlossen und T-EACs industrieweit eingeführt sind, werden sie uns nicht nur helfen, Google komplett CO₂-frei zu machen, sondern auch wertvolle neue Erkenntnisse darüber liefern, wie viel CO₂-freie Energie zu jeder Stunde eines jeden Tages in den Stromnetzen verfügbar ist. Anhand dieser Informationen können Energieverbraucher ihren Stromverbrauch genauer analysieren und Behörden und Systembetreiber schnellere und kostengünstigere Strategien zur CO₂-Reduktion entwickeln. Besonders spannend: Die auf diese Weise geschaffenen Preissignale werden neue Investitionen in Technologien und Projekte anregen, die CO₂-freie Energie gezielt zu dem Zeitpunkt bereitstellen, an dem sie am meisten gebraucht wird, und so die Dekarbonisierung ganzer Stromnetze beschleunigen.

Mit dieser Vision haben wir im Laufe des vergangenen Jahres zahlreiche Partner für die Entwicklung und Einführung von T-EACs gewonnen und können heute bedeutende Fortschritte vermelden: Die Nutzung von Stundenzertifikaten innerhalb und außerhalb von Google nimmt zu. Die Entwicklung von Tools und Systemen für die Bereitstellung und den stundengenauen Abgleich von Energiedaten beschleunigt sich. Außerdem wurden technische Standards aufgestellt, die eine breite Einführung von T-EACs vorantreiben.

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Momentum bei Registratoren für saubere Energie

Zu den wichtigsten Akteuren bei der Einführung von T-EACs gehören die Registratoren, die bei der Erzeugung sauberer Energie ausgestellte Grünstromzertifikate (Energy Attribute Certificates, EACs) generieren, verfolgen und verwalten. Bislang wurden diese Zertifikate nicht stundenweise ausgestellt oder verfolgt, doch die steigende Nachfrage nach rund um die Uhr verfügbarer, vollständig CO₂-freier Energie sorgt dafür, dass sich das ändert. Wir arbeiten mit Registratoren auf der ganzen Welt zusammen, um diese Entwicklung zu beschleunigen und neue Produkte und Dienste für die detailliertere Verfolgung von Energieattributen zu entwickeln.

So erweiterte beispielsweise unser US-amerikanischer Partner M-RETS, ein gemeinnütziges Unternehmen, das EACs verfolgt und validiert, die stündliche Transaktionskapazität seiner Plattform, sodass alle Nutzende Stundenzertifikate verfolgen und einziehen können. APX, ein führender Anbieter marktbasierter Umwelttechnologien, wird ebenfalls den Einzug stündlicher Zertifikate für erneuerbare Energien (Renewable Energy Certificates, RECs) im Southwest Power Pool (SPP) über seine North American Renewables Registry-Plattform unterstützen. Damit haben bald auch Stromerzeuger im Zentrum und im Mittleren Westen der USA die Möglichkeit, Zertifikate stündlich einzuziehen, wenn entsprechende Daten verfügbar sind.

Auf ähnliche Weise arbeiten wir mit dem dänischen Netzbetreiber Energinet zusammen, der die technische Grundlage für eine granulare Zertifizierung aufbaut und innovative Anwendungen wie die Project Energy Origin-Plattform entwickelt. Nach ersten Erfolgen setzt sich Energinet nun gemeinsam mit Partnerunternehmen aus der Branche und anderen Übertragungsnetzbetreibern in ganz Europa dafür ein, dass diese Lösungen demnächst auch außerhalb Dänemarks genutzt werden.

In Lateinamerika schließlich haben wir ein Pilotprojekt unter der Leitung der International REC Standard Foundation (I-REC Standard) in enger Zusammenarbeit mit Evident Services und unseren Zulieferern ACCIONA Energia und AES Andes gestartet. Dank der in Chile verfügbaren granularen Stromdaten konnten wir den stündlichen Energieverbrauch unseres chilenischen Rechenzentrums mit der stündlichen Produktion dreier Projekte für erneuerbare Energien abgleichen, die 100 % seines jährlichen Strombedarfs decken, und Stundenzertifikate für jedes im Jahr 2021 ausgestellte REC einziehen.
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Auch außerhalb von Google konnten wir spannende Fortschritte verzeichnen, darunter zunehmendes Interesse an T-EACs im öffentlichen Energiesektor und Pilotprojekte in neuen Regionen. So kündigte die niederländische Botschaft in Bangkok zum Beispiel jüngst ein Pilotprojekt zu stündlichen Zertifikaten für saubere Energie mit der thailändischen Stromversorgungsbehörde EGAT (Electricity Generating Authority of Thailand) an. Es soll den Ausbau der Infrastruktur für den Handel mit sauberer Energie in Thailand fördern und dazu beitragen, dass das Land seine CO₂-Neutralitätsziele erreicht. 

Die vielen laufenden T-EACs-Pilotprojekte schaffen nicht nur die Infrastruktur für eine stundengenaue Energieverfolgung, sie liefern auch wertvolle Erkenntnisse, die der breiteren Einführung granularer Energiezertifikate zugutekommen werden. Bei unserer Arbeit in Chile hat sich beispielsweise gezeigt, dass die stundengenaue Nachverfolgung bei Projekten für saubere Energie mit mehreren Trägern sich auch in Vertragsänderungen niederschlagen muss, um eine doppelte Zählung von Stundenzertifikaten durch Registratoren und Projektentwickler zu vermeiden. 

Daten und Software für den stundenweisen Energieabgleich

Registratoren spielen eine entscheidende Rolle bei der breiten Einführung von T-EACs. Allerdings werden die Zertifikate ihre Wirkung nur dann voll entfalten, wenn die Energieverbraucher über bessere Tools und Systeme verfügen, mit denen sie ihre Energiedaten abrufen und organisieren sowie ihren Verbrauch mit dem stündlichen Einkauf sauberer Energie abgleichen können.

Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Softwareanbieter FlexiDAO ein Projekt gestartet, das den Abruf und die Aggregation von Energiedaten unseres gesamten Portfolios in Dänemark, Irland und den Niederlanden vereinfachen soll. Dieses Projekt hilft uns, unseren 24/7-Abgleich mit CO₂-freier Energie in diesen Ländern zu optimieren und durch den Einzug von Stundenzertifikaten aus unseren Projekten zu sauberer Energie in Dänemark und den Niederlanden zu validieren.

Doch nicht nur Google unterstützt die Entwicklung neuer Tools für die Bereitstellung von Energiedaten und den stundenweisen Abgleich mit sauberer Energie: Im Laufe des vergangenen Jahres gab es bei entsprechenden Projekten in den Niederlanden und Großbritannien spannende Kooperationen zwischen Energieversorgern und Verbrauchern. 

Inzwischen erkennen auch viele Regierungen, dass stündliche Energiedaten dazu beitragen können, die Einführung vielversprechender neuer Energietechnologien – und damit die Umsetzung ihrer Dekarbonisierungsziele – zu beschleunigen. So prüft zum Beispiel die Europäische Union, wie die Einführung von grünem Wasserstoff durch eine granulare Energieverfolgung mit neuen Daten- und Softwarelösungen unterstützt werden könnte, die die Herkunft des für die Erzeugung genutzten Stroms aus sauberen Energiequellen belegen. Darüber hinaus haben jüngst das US-Verteidigungsministerium und die General Services Administration in einer gemeinsamen Informationsanfrage potenzielle Energielieferanten erstmals aufgefordert, ihre Methoden zur stundengenauen Erfassung und Meldung von CO₂-freier Energie zu erläutern.

Standardisierung der stundengenauen Erfassung

Die zunehmende Anzahl und Verbreitung von Initiativen zur stundengenauen Verfolgung birgt die Gefahr, dass sich viele Tools, Definitionen und technische Spezifikationen parallel entwickeln und ein fragmentiertes Ökosystem aus inkompatiblen Komponenten entsteht. Hier gilt es, Standards für die breite Einführung von Stundenzertifikaten zu schaffen, die eine Entwicklung robuster und effizienter weltweiter Märkte und Infrastrukturen ermöglichen. 

Google unterstützt deshalb die Brancheninitiative EnergyTag, die erheblich zur Organisation des Marktes für Stundenzertifikate beiträgt und bei der gemeinsamen Entwicklung von Branchenstandards zwischen wichtigen Interessengruppen vermittelt. Als Gründungsmitglied des EnergyTag-Beirats konnten wir an seinem vorläufigen Whitepaper mitarbeiten und freuen uns auf die baldige Veröffentlichung der offiziellen EnergyTag-Leitlinien, die einen wichtigen Meilenstein bei der Einführung granularer Zertifikate als anerkanntes, robustes und zum Handel einsetzbares Tool darstellen.

Außerdem sind wir dem LF Energy-Projekt der Linux Foundation beigetreten, einer globalen Open-Source-Initiative zur Dekarbonisierung von Energiesystemen. Als strategisches Mitglied von LF Energy ist Google im Carbon Data Specification Consortium an der Entwicklung von Standards beteiligt, die stundengenaue Energiedaten vereinheitlichen und für Verbraucher leichter zugänglich machen sollen. Diese Standards werden es den Energieverbrauchern ermöglichen, fundierte Kaufentscheidungen zu treffen, und fördern so die breite Einführung von T-EACs. 

Die Zukunft von Stundenzertifikaten

Wir blicken mit großer Vorfreude auf die Umstellung des Markts und die Dekarbonisierung der Stromnetze, die der stundengenaue Abgleich möglich macht. Durch die digitale Kennzeichnung jeder Energieeinheit mit Zeit- und Standortdaten werden Verbraucher prüfen können, woher ihre Energie in jeder jeweiligen Stunde stammt. Zudem wird sie wichtige Informationen über die stündliche Verfügbarkeit CO₂-freier Energie in den Stromnetzen liefern. In Verbindung mit den zunehmenden Bemühungen, die netzweiten Auswirkungen von Projekten für saubere Energie in der CO₂-Bilanzierung besser zu berücksichtigen, wird dies zu einer umfassenden Verlagerung von Investitionen in besonders effektive Initiativen führen. Auch der Politik werden so neue Möglichkeiten an die Hand gegeben, um Anreize für den Einkauf sauberer Energie rund um die Uhr zu schaffen.

Wir beobachten gespannt, wie es mit den Stundenzertifikaten weitergeht, und sind zuversichtlich, dass sie die Verbreitung CO₂-freier Energie und die Dekarbonisierung der Stromnetze weltweit beschleunigen werden. In der Zwischenzeit arbeiten wir mit unseren Partnern weiter daran, die Stundenzertifikate in unserem eigenen Portfolio flächendeckend zu etablieren und alle unsere Standorte weltweit bis 2030 vollständig auf CO₂-freie Energieversorgung umzustellen.